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Capítulo 28 de 34

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wetzten die Hauer, andere lachten und brüllten in grauenvollen Tönen. Dann stürzten alle, zu einem Knäuel geballt, in Kampfbereitschaft mit drohenden Geberden auf ihn zu. Da sann er, den Unholden Unheil zu bereiten. Mit magischem Zornesblick re- zitierte er schreckliche Beschwörungen, aber sie gingen dennoch nicht. Voll von großem in seinem Herzen erwachenden Erbarmen trug er ihnen geistliche Lehren vor, dennoch bezeigten sie keine Lust zu weichen. Da dachte er: „Mir hat zwar Marpa aus Lho brag alle Lehren aus seinem Innersten erklärt; doch da mein Innerstes der Erleuchtung bar ist, werde ich von Verzweiflung ergriffen. An die Wirklichkeit der Kobolde und Dä- monen muß ich wohl glauben; sie könnten mich daher töten, und ihnen diese Freude zu bereiten, wäre nutzlos." Indem sich seine unerschütterliche Zuversicht so offenbarte, stimmte er folgendes beschauliche und zuversichtliche Lied an:

Vor dem Vater, dem Sieger über das Heer der vier Mara,

Dem sprachgewandten Marpa zu Füßen verneige ich michl

Im Mutterleibe besaß ich die drei Fertigkeiten vollendet;

In den Jahren der Jugendblüte hütete ich des Nestes Tür,

In den Jahren der Mannheit wanderte ich über die Gletscher.

Wenn auch Schneesturm die Gletscher umwirbelt, bebe ich nicht;

Ist der Felsenabgrund auch groß, ich fürchte nicht.

Ich bin des Königs der Vögel, des Adlers Sohn:

Im Inneren des Eies entwickelten sich die Fittiche;

In den Jahren der Jugendblüte hütete ich des Nestes Tür,

In den Mannheitsjahren des großen Aars kreuzte ich des Himmels Höhe.

War der Himmel auch groß, ich bebte nicht;

Wenn die Täler der Erde auch dunkelten, ich fürchtete nicht.

Ich bin der Sohn der Woge, des großen Fisches:

Im Mutterleibe rollte ich meine goldenen Augen;

In den Jahren der Jugendblüte zog ich an der Spitze der wimmelnden Schar,

In den Mannheitsjahren des großen Fisches umkreiste ich die Grenzen des

Meeres. Waren auch schrecklich die Meereswogen, ich bebte nicht; Waren der Fischer Eisenhaken auch zahlreich, ich fürchtete nicht. Meinen Namen nenne ich nicht.

Ich bin der Sohn des Lama der mündlichen Ueberlieferung: Im Mutterschoße erwuchs mir der Glaube, In den Kindheitsjahren trat ich in das Tor der Religion ein, In den Jahren der Jugendblüte widmete ich mich dem Studium, In den Mannheitsjahren des großen Mystikers durchwanderte ich die Berg- wildnis. Ist auch der Geister Bosheit groß, ich bebe nicht; Wie oft auch der Dämonen Gaukelspiel wiederkehrt, ich fürchte nicht. Der auf dem Gletscher sich reckende Löwe friert nicht an den Pfoten: Wenn der Löwe auf dem Gletscher an den Pfoten fröre, Wäre der Nutzen der drei vollendeten Fertigkeiten wahrlich gering 1 Der am Himmel fliegende Aar kann nicht herabstürzen: Wenn der große Aar vom Himmel herabstürzen könnte, Wäre der Nutzen der entwickelten Flugkraft wahrlich gering! Der im Wasser schwimmende Fisch kann nicht ertrinken: Wenn der große Fisch im Wasser ertrinken könnte, Wäre der Nutzen der Geburt im Wasser wahrlich gering I Ein eiserner Felsblock wird durch Steine nicht zerstört: Wenn ein eiserner Felsblock durch Steine zerstört würde, Wäre der Nutzen des Schmelzens wahrlich gering 1 Ich, Milaraspa, fürchte keine Geister: Wenn Milaraspa Geister fürchtete,

Wäre der Nutzen von der Kenntnis des Wesens der Dinge wahrlich gering 1 Ihr, die ihr hier erschienen seid, Geister und Kobolde, Scharen der Wider- sacher, Vor allem meinen Dank für eueren Besucht Wenn ihr keine Eile habt, weilet nur immer hier! Ergeht euch nur in ausführlichen Reden und Diskursen!

Wenn ihr's auch eilig habt, bleibt unter allen Umständen heute Abend hier! Im Wettstreit mit der Gewandtheit von Leib, Wort und Gedanke Wollen wir einmal den Wert der weißen und schwarzen Lehre messen! Ihr wollt nicht zurückkehren, ohne mir einen Streich zu spielen! Doch wenn ihr, ohne mir einen Streich zu spielen, zurückkehren werdet, Müßt ihr euch schämen, noch einmal wiederzukommen!

Mit diesen Worten erhob er sich im Stolz seiner Beschauung und ging ohne Zaudern hinein. Da wurden die Kobolde von Furcht und Schrecken ergriffen und blickten mit scheuen Augen um sich. Sie zitterten so am ganzen Leibe, daß die ganze Höhle im Innern zitterte und bebte.

Schleunigst schwanden die Sieben zu Einem zusammen, und auch dieser Eine fuhr schließlich in einem kreisenden Wirbelwind von dannen. Der Ehrwürdige dachte: „Der Dämonenkönig Vinayaka trachtet nach einer Gelegenheit, mir zu schaden; der Sturm vorher wird wohl auch sein Zauberwerk gewesen sein. Aber dank dem Erbarmen meines Lama wird er weiter keine Gelegenheit mehr finden." Darauf wurde ihm eine unermeßliche Förderung in der Meditation zu teil.

Dieser Abschnitt heißt: Des Dämonenkönigs Vinayaka Spuk und die glühende Sehnsucht nach dem Lama, oder der Rotenfels °Chong lung, oder Mila, der Holzsammler, auch kurz der Abschnitt mit drei Namen.

Nachdem der Gebieter der Yogin, der ehrwürdige Milaraspa, auf dem Felsen «Chong lung verweilt hatte, überschritt er, um das Gebot seines Lama zu erfüllen, den Paß von Thong und machte sich auf den Weg, um sich auf dem gleichsam eingezäunten Schneeberg La phyi der Meditation hinzugeben. Als er im Dorfe Rtsar ma in Gna nang am Aufgang zum La phyi anlangte, da waren gerade die Männer von Rtsar ma zu einem großen Gelage in ihrer Bierschenke versammelt und ergingen sich in Gesprächen: „Da ist doch jetzt ein gewisser Milaraspa, der das Leben eines Büßers führt; ganz allein haust er dort nach den Vorschriften just in der menschenleeren Bergwildnis." So unterhielten sie sich in Lobessprüchen über den Ehrwürdigen. In diesem Augen- blick trat der Ehrwürdige an ihre Tür. Eine junge, wohlgebildete und schön geputzte Frau, mit Namen Legs se <>bum, trat gerade heraus und sagte: „Heiliger, woher kommst du?" Der Ehrwürdige erwiderte: „Ich bin der hier irgendwo im Gebirge hausende große Mystiker Milaraspa. Mildtätige, du solltest mir ein wenig Speise und Trank reichen, da ich dich darum bitte." Die Frau sprach: „Du magst Nahrung vorgesetzt erhalten. Bist du denn wirklich jener Milaraspa oder sagst du es bloß?" Der Ehrwürdige antwortete: „Welchen Vorteil hätte es, zu lügen?" In freudig auf- geregter Hast eilte die Frau hinein und sagte den Biergästen: „Jener heilige Mönch, von dem ihr vorhin gesagt habt, daß er weit entfernt wohne, ist hier angekommen und steht jetzt vor unserer Tür." Alle stürzten hinaus. Einige brachten ihm sogleich Ver- ehrung dar, andere forschten ihn zuerst umständlich über seine Geschichte aus, und als sie die Ueberzeugung gewonnen, daß es wirklich der Ehrwürdige sei, führten sie ihn hinein und erwiesen ihm ausgezeichnete Ehrenbezeugungen. An der Spitze des Tisches befand sich die Wirtin, eine wohlhabende junge Frau mit Namen Gsen rdor mo, die den Ehrwürdigen mit aller Sorgfalt bediente und ihn schließlich fragte: „Wohin begibt sich jetzt der Lama?" „Ich gehe zu beschaulicher Uebung auf den La phyi", sagte er. Sie sprach: „Du solltest doch erst ein wenig in deinem oDre lung skyog mo bleiben und den Erdboden dort segnen; wir werden unermüdlich zu deinen Diensten sein." Darauf sagte ein gerade dort anwesender Lehrer: „Gabenspender und Gabenempfänger mögen sich einigen 1 Der La phyi ist die Bezeichnung von oDre lung skyog mo. Wenn nun der Lama dort verweilen wird, werde ich ihn nach Kräften mit allem Nötigen versehen und dafür religiöse Belehrung erbitten."

Der Sprecher war der Lehrer Cakyaguna. Darauf sagte die Wirtin: „Das ist wahr- haftig vortrefflich 1 Dir erscheint die Einsamkeit sogar als Genuß, während wir andere uns vor den Streichen der Kobolde schrecklich fürchten und gar keine Lust haben, uns

in der Bergeinsamkeit anzusiedeln, vielmehr lieber schnell hinabsteigen." Die ganze Versammlung bezeigte ihm Verehrung. Da sprach der Ehrwürdige: „Ich muß bald gehen, aber der Einsamkeit wegen, wie du sagst, gehe ich nicht; ich habe nämlich ein Gebot von meinem Lama erhalten, und um dieses zu erfüllen, muß ich gehen." Sie erwiderten: „An Geschenken soll es dir nicht fehlen. Wir werden dir mit guten Nah- rungsmitteln zu Diensten sein." Der Ehrwürdige sprach: „Ich habe in der Bergwildnis keinen Freund, keine gute Nahrung noch einen zuverlässigen Menschen, doch fürs erste will ich selbst allein gehen; für euere Dienste danke ich euch, später werden wir das Weitere sehen." Da machte sich der Ehrwürdige selbst zum Schneeberge La phyi auf.

Als er die Paßhöhe überstiegen, entstand ein schrecklicher Gespensterspuk. In dem Augenblick, als er den Berggipfel erreichte, umwölkte sich der Himmel. Furcht- barer Donner krachte, Blitze zuckten rings umher, Berge zu beiden Seiten der Täler zerbröckelten, und Gießbäche stürzten wirbelnd zusammen und bildeten einen großen See mit furchtbar tosendem Strudel. Der Ehrwürdige entsandte seinen magischen Blick und schlug mit seinem Stabe auf. Da floß der See auf dem Boden ab und verschwand. Er ist bekannt als der „Teufelsteich" (rmu rdzing).

Als er darauf ein wenig weiter nach unten kam, schleuderten die Geister zu beiden Seiten des Berges in einer Staubwolke viele Felsblöcke wie tosende Wogen hinab. Da erschienen zu beiden Seiten des Tales die Daka und machten gleich herabschießenden Bergschlangen den Weg frei. So hörte denn das Trümmergeröll auf. Dieser Weg ist bekannt als der Pfad „des Felsvorsprungs der Daka".

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· 28 · Las cien mil canciones de Milarepa (Mgur 'bum) — Milarepa · The Conscious Library