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Capítulo 26 de 34

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Unter dem Einfluß der schlechten Ernährung und infolge des kalten Windes sank er eine Zeit lang in Bewußtlosigkeit. Als er sich wieder erhob, hatte sich der Sturm gelegt, und sein Tuch hing flatternd an der Spitze eines Baumzweiges. Da regten sich in seiner Seele Gedanken des Ueberdrusses; er ließ sich eine Zeit lang auf einen Fels- block von der Größe eines Schafleibes nieder, bis er das Gleichgewicht des Gemütes wiedergewonnen.

Im Osten zog in der Richtung von Grobolung her am Himmel schwebend eine weiße Wolke herauf. „Unter dieser Wolke", dachte er, „liegt das Kloster Grobolung: dort hat mein Lama, der sprachgewandte Marpa, der Gelehrte, gelebt." Er erinnerte sich an die im Kreise des Lama, der ihm Vater und Mutter war, seiner geistlichen Brüder und Vajra-geschwister empfangenen kraftvollen Erklärungen der Tantra und an die Lehren in der Fingerstellung der Meditation. Er dachte: „Was mir auch begegnen möge, wenn er jetzt dort weilte, ich will ihm meine Hochachtung bezeigen." Da über- wand er trotz seiner früheren Mißstimmung durch die lebhafte Erinnerung an den Lama das Uebermaß von Verdruß: ein Tränenstrom stürzte ihm aus den Augen, und in der Erinnerung an den Lama stimmte er folgendes sechsteilige Lied an, einen Sang wehmutsvoller Sehnsucht.

In der Erinnerung an den Vater, zu den Füßen des den Sehnsuchtschmerz stillenden Marpa, erhob er einen flehenden Sehnsuchtsang.

Vor dem Berge hinter mir, der sich wie ein Elefant gähnend streckt,

Auf dem Berge vor mir, der sich wie ein großer Löwe gähnend streckt,

Liegt der heilige Ort, das Kloster von Grobolung.

In diesem steht ein Thron aus dem großen Steine Amolika;

Auf dem Polstersitz liegt ein Einhornfell;

Darauf saß der sprachenbewanderte Marpa 1

Wenn er jetzt dort weilte, wie freute ich michl

Wie schwach auch meine Andachtsglut, mein Herz begehrte zu ihm zu eilen I

Wie klein auch meine Sehnsucht, mein Herz begehrte zu ihm zu eilen 1

In meinen Gedanken erinnere ich mich des herrlichen Lama,

In meinen Betrachtungen erinnere ich mich an Marpa, den Gelehrten.

Er ist der die Mütter übertreffenden unverehelichten Frau gleich.

Wenn er jetzt dort weilte, wie freute ich mich!

Wenn der Umweg noch so weit, mein Herz begehrte zu ihm zu eilen 1

Wenn der Weg auch mühsam zu wandeln wäre, mein Herz begehrte doch

zu ihm zu eilen! In meinen Gedanken erinnere ich mich des herrlichen Lama, In meinen Betrachtungen erinnere ich mich an Marpa, den Gelehrten. Er ist der das Herz tief erfreuende Edelstein. Wenn er jetzt dort weilte, wie freute ich michl Wenn auch mein Wissen arm, mein Herz begehrte es zu fassen! Wenn auch mein Verstand gering, mein Herz begehrte des Lehrers Worte

zu wiederholen! In meinen Gedanken erinnere ich mich des herrlichen Lama, In meinen Betrachtungen erinnere ich mich an Marpa, den Gelehrten. Wenn er die vier Kräfte der Worte mündlicher Unterweisung Jetzt überlieferte, wie freute ich mich!

Obwohl meine Gaben nur klein sind, begehrte mein Herz zu bitten;

Obwohl ich nicht über Opferspenden verfüge, begehrte mein Herz zu bitten.

Wenn er die tiefe Belehrung, Naro's sechs Vorschriften

Wiewohl meine Ausdauer nur schwach ist, begehrte mein Herz zu bitten;

Wiewohl der Faden meiner Beschauung nur klein ist, begehrte mein Herz

Beschauung. In meinen Gedanken erinnere ich mich des herrlichen Lama, In meinen Betrachtungen erinnere ich mich an Marpa, den Gelehrten. Wenn er, sich in den reinen Kreis der geistlichen Brüder gesellend, Jetzt dort weilte, wie freute ich michl Wie schlecht auch meine Erkenntnis, mein Herz begehrte doch sie zu

sammeln; Wie schwach auch mein Verständnis, mein Herz begehrte doch sie zu

sammeln. In meinen Gedanken erinnere ich mich des herrlichen Lama, In meinen Betrachtungen erinnere ich mich an Marpa, den Gelehrten. Obwohl mein Wesen von inbrünstiger Andacht unzertrennlich, Ist durch die Erinnerung an des Lama Herz,

Durch das Verlangen und die Sehnsuchtqual meine Geduld erschöpft. Der Atem stockt in meiner Brust, daß mir die Stimme versagt. Stille deines Sohnes Sehnsuchtqual, du Gnadenreicher!

Als er so gesprochen, erschien auf der Spitze jener Wolke, welche die Gestalt eines fünffarbigen, ausgebreiteten Seidengewandes angenommen hatte, der erhabene Marpa selbst, in herrlichem Glänze wie nie zuvor, auf einer reich geschmückten weißen Löwin reitend, und sprach: „Du mein älterer Bruder, sprich, welcher heftige Schmerz ist dir widerfahren, daß du mich rufst? Verzweifelst du an dem Lama, den Schutzgottheiten und dem höchsten Gut? Spürst du den Dingen mit unheilvollem Skrupel nach? Oder haben sich in deiner Betklause Hindernisse durch die Lehren der Welt eingestellt? Bist du vom Dämon der Furcht und Hoffnung gequält und mißmutig gemacht? So sei denn wieder oben der Lama und des höchsten Gutes Diener! Bring unter den Wesen der sechs Klassen Gaben dar! Dann werden dir selbst im Zwischenraum die Sündenflecken rein und gute Gelegenheiten zur Erzeugung von Vorzügen zu teil werden. Oder was

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· 26 · Las cien mil canciones de Milarepa (Mgur 'bum) — Milarepa · The Conscious Library